Ruhrstadtkinder 2018 - Projektbeschreibung und Unterstützungsbitte

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der „Ruhrstadtkinder“!
 
Seit einem Jahr gibt es das Projekt „Ruhrstadtkinder“. Zwei Gruppen mit insgesamt 14 teilnehmenden Kindern im Alter von 9-12 Jahren treffen sich einmal wöchentlich und schreiben gemeinsam. Doch das Projekt ist größer und vielschichtiger:
 
Vision
Eine Gesellschaft, in der Menschen in der Lage sind, ihre Vorstellungen, Bedarfe und Visionen zu artikulieren, in Sprache zu fassen, und sich miteinander auszutauschen. Sprache bedeutet Heimat und die Chance das eigene Lebensumfeld zu gestalten. Wer nicht spricht, wer nicht schreibt, wer sich vergräbt und die Kommunikation einstellt, kann sich am Leben – in der Gesellschaft – nicht beteiligen. Aktive Beteiligung, konstruktiv-mündige Auseinandersetzung mit der Lebenswelt sind daher die Vision für starke Kinder. So früh wie möglich die Freude an dieser Auseinandersetzung inspirierend darzustellen und mit Vielfalt anzubieten, ist möglich. „Wir haben die Zukunft im Gepäck, entwickeln Gestaltungskraft und konkrete Ergebnisse,“ sagen die Ruhrstadtkinder. Rückgrat, Mut, Handlungsspielraum in der Sprache und in der gezielten Formulierung, Diskussionsstärke und mündige Auseinandersetzung – dabei ganz viel Spaß und Lebensfreude als Motor – das ist die Vision. Gegen eine sprachlose Gesellschaft – für mehr „Sturm und Drang“. Schreiben heißt, aktiv Entscheidungen treffen – es macht stark und unabhängig im Geiste.
 
 
Basis
Sprache ist lebendig. Sprache spiegelt die Zeit. Das Projekt arbeiter in der modernen Sprache und lernt aus der Vergangenheit. Modern, zeitgemäß, lebendig, überraschend – und wenn man die Kinder fragt: immer am Puls der Zeit – so soll ihre Sprache sein. Tempo und Dynamik, Wendungen und Struktur sorgen für literarische Qualität und Möglichkeit. Dabei treibt die Ruhrstadtkinder auch der Blick in die Tradition im Land von Gutenberg, im Land der Dichter und Denker – „Sturm und Drang“ im dritten Jahrtausend, mit einem Hang zu Papier aber auch ohne Scheu vor der digitalen Welt. Alles hat seine Zeit. Auch hier gilt: keine Wahllosigkeit. Wertschätzung, Qualitätsbegriff und Nachhaltigkeit sind wichtige Themen. Die Gruppe trägt sie in den Alltag des 21.Jahrhunderts. Vorschnelle Urteile sind verpönt: „Macht es besser – hinterfragt!“ Arbeit und Mühe sind kein Problem – Ziellosigkeit und Sinnlosigkeit schon.
 
 
Mission
Positive Verstärkung und einen Schutzraum schaffen, der freies Arbeiten mit der Sprache möglich macht. Dabei stehen bei allen Treffen die Freude, der Schwung und der Elan im Mittelpunkt. Zielorientiert wird gemeinsam an den Texten gearbeitet. Kein Kind schreibt einen Text ganz allein – die Ruhrstadtkinder produzieren Gruppenergebnisse. Niemals ohne Konzept, immer aufgesetzt an Modulen und doch mit der Freiheit zur kreativen und phantasievollen Arbeit, schaffen die Ruhrstadtkinder die Tiefe im Projekt und fühlen sich im Thema zu Hause. Das gibt die Sicherheit zur freien Entfaltung. Der stetige Abgleich in der Gruppe und die konsequente Führung und Moderation schaffen Gleichgewicht und Orientierung. Platz zur eigenen Entfaltung bleibt immer. Der Sprung zwischen den Genres und der Blick auf andere Künste inspiriert. Neben dem Handwerkszeug gibt es immer auch eine kleine, begleitende Ästhetik-Schule zur Vertiefung.
 
 
Plädoyer
In den letzten Jahrzehnten wurde viel im Bereich Naturwissenschaft gefördert – Mädchen und Jungen haben besondere Aufmerksamkeit in diesem Bereich erfahren. Jetzt muss ein Gleichgewicht her – die Kunst, die Kultur, die Gesellschaftsfächer brauchen Aufmerksamkeit und strategische Führung und Unterstützung. Merke: Fanatiker lassen Phantasie nicht zu, Ignoranten haben Angst vor neuen Ideen. Deutschland – das Land der Dichter und Denker, Europa mit seinen herausragenden Kulturschätzen – die Heimatstadt hier vor Ort – die Ruhrwiesen und die Altstadt. All das ist ja nicht nur in Zahlen, Statistiken und Datensätzen vermittelbar und ausbaufähig. Die Literatur schafft neue Sichtweisen und Zugänge – dazu haben die Kinder einen unverstellten Blick und schaffen auch für Erwachsene Inspiration und Zugang. Im Zweifel reichen starken Kindern ein weißes Blatt und ein Bleistift. Mehr Buchstaben für alle!

Projektleitung Andrea Reinecke

Volontariat Harenberg Verlag, Redaktion und Leitung "buch aktuell" (Auflage 680.000 exemplare weltweit),
Redaktion "taschenbuch magazin"
Zusammenarbeit mit Franz Greno
Studium Ruhr Universität Bochum (Kunstgeschichte, Philosophie, Film / Fernsehen)
Freie Mitarbeit in diversen Redaktionen,
Ehrenamtliche Projektarbeit (z.B. Ausstellung Katholische akademie)
PR-Arbeiten: Bild und Text, analog und digital, Gebrauchsliteratur
Freie Texte und Programm mit der Sopranistin Simone Asua-Honert
Erstes Schreibprojekt mit Kindern – 2004 "Grell und Co KG" in der Schwerter Albert-Schweitzer-Grundschule

Projektsteckbrief (Stand Dezember 2017)

Projektstart mit Gruppe I: 1. Januar 2017 / Start Gruppe II: Juni 2017
Fahne: altes Stadtwappen mit Schreibutensilien ein englisches Wort für die Weitsicht, Schreibschrift und ein Knopf pro Kind
Treffen: Montag und Dienstag je 1,5 Stunden Kinder. 14 Kinder, gemischte Gruppen, ab Grundschule vierte Klasse, gemischte Schulformen, bis sechste Klasse
Extras: Exkursionen, Ferienarbeit, Sonderevents bisheriger Projekthöhepunkt: Lesung in der Rohrmeisterei im November 2017
Förderer: Bürgerstiftung Rohrmeisterei, Schwerte; Lions Club, Schwerte; Egon und Rosi Schrezenmaier

Ruhrstadtkinder-Regeln für das Jahr 2017 - Die Wilden 13

NEUGIER und keine Langeweile
Jede Stunde eine Seite Erinnerungsbuch
Tee kann nicht schaden Mindestens eine Rundlaufgeschichte pro Treffen
Offen für Themen – erst mal Zuhören
Keiner ist besser, nur anders
Keine Geschichte ist eine schlechte Geschichte, vielleicht ist sie einfach noch nicht fertig
Überraschung muss sein, und denk daran: lach’ doch mal ...
Wir sind die Ruhrstadtkinder aus Schwerte an der Ruhr
Fünf Minuten Stille
Ideen kommen erst an das Licht, wenn wir uns abgestimmt haben
Alle drei Monate Kastenputz
Unsere Geschichten gehen IMMER gut aus

Förderung und Finanzen

Möglich wird das Projekt durch das von Andrea Reinecke entwickelte Konzept, das teils ehrenamtlich, teils auf Honorarbasis umgesetzt wird.

Die Bürgerstiftung Rohrmeisterei hat Anfang 2017 auf Bitten von Andrea Reinecke die Rechtsträgerschaft für das Projekt übernommen. Versicherungen, ordnungsgemäße Buchhaltung und Abwicklung der Spenden sowie die finanzielle Risikoübernahme sind damit sichergestellt. Für zwei Lesungsveranstaltungen pro Jahr werden Räume, Technik, Personal kostenlos bereit gestellt. Das Projekt wird außerdem im Fundraising unterstützt. Diese Leistungen der Bürgerstiftung haben einen Gegenwert von rund 5.000 EUR pro Jahr.

In 2017 sind die laufende Arbeit und die Sonderprojekte durch Spenden des Lions Clubs, des Ehepaars Schrezenmaier, einen Zuschuss der Rohrmeisterei und kleinere Teilnehmerbeiträge sowie Eintritte finanziert worden.

Für 2018 sind die Kosten der laufenden Gruppenarbeit durch Teilnehmerbeiträge und Eintrittseinnahmen, eine Spende des Lions Clubs und den ehrenamtlichen Einsatz von Andrea Reinecke sichergestellt.

Jedoch wird für die Sonderprojekte dringend finanzielle Unterstützung benötigt, dazu zählen

                   die Ausstellung im Wuckenhof

                   die Sach-, Werbungs- und Honorarkosten der beiden Lesungs-Veranstaltungen

                   die geplante Buch-Edition

                   Exkursionen und Ausstattung der laufenden Projektarbeit

                   die Einrichtung eines Blogs bzw. einer Website.

Diese Kosten belaufen sich auf insgesamt rund 6.000 EUR.

Wir bitten um Ihre Unterstützung!

Literarische Fundstücke von Kindern nicht nur für Kinder - Aus der Arbeit der Ruhrstadtkinder

Beispieltexte zum Weihnachtsfest 

Weihnachten: Gar nicht weihnachtlich....
Ein Kind freute sich in dieser Vorweihnachtszeit nicht. Es war der kleine Tom. Warum das so war - und wie dann doch noch alles eine überraschende Wendung nahm, das lest Ihr hier in der Geschichte der Ruhrstadtkinder: 

In einer Wohnung am Ende der Stadt lebte Tom mit seiner Mutter und seinem Bernersennenhund Maxi. Am 13. Dezember saß Tom mit Maxi in seinem Zimmer auf der Fensterbank. Tom hatte das Licht ausgemacht und blickte jetzt auf die dunkle, leere Straße. Am Himmel leuchteten ein paar Sterne. Vereinzelnd fielen Schneeflocken vom Himmel und bedeckten die Straße. Ein fröhliches Kind würde wohl sagen: ,,WUNDERSCHÖN!“ - aber Tom war nicht fröhlich.
Seitdem seine Eltern geschieden waren, er ständig wieder wie ein kleines Kind behandelt wurde und er abwechselnd bei seiner Mutter und seinem Vater lebte, war er nicht mehr richtig glücklich. Bei seiner Mutter hatte er den Bernersennhund Maxi, bei seinem Vater ein riesiges Zimmer und eine Katze. Sie hieß ,,Mau“.
Mau war weiß und hatte braune Flecken. Das Süßeste an ihr war, daß sie an ihren vier Pfoten schwarze Socken hatte. Nein, keine echten Socken. Man sagt das so, wenn eine Katze schwarzen Pfoten hat und weiße Beine. Mau hatte ihn noch nie gekratzt und auch Maxi war ganz nett. „Tom kommst du Abendessen?“ rief seine Mutter. „Ja“, rief Tom und stand auf. Er ging runter ins Wohnzimmer wo sein selbst geschmückter Tannenbaum stand.

Der Tannenbaum war wunderschön. Er trug goldene Kugeln und unter seinen riesigen Zweigen stand die Krippe. Maria und Josef standen um die Krippe herum und starrten auf den leeren Fleck im Stroh. Das Jesuskind kommt nämlich erst am Heiligabend in die Krippe. So war es bei Familie Rups. So hieß Toms Familie. Aber bis Heiligabend war es noch weit und Tom war nicht in Feierlaune. Am Abend schaute er ins Fenster gegenüber und dort stand ebenfalls eine Krippe. So richtig wertvoll, geschnitzt und mit festlicher Beleuchtung. Er konnte die heiligen Familien langsam nicht mehr sehen.
Am nächsten Morgen traute er seinen Augen nicht: Die wertvolle Krippe von Gegenüber war verschwunden, statt dessen stand dort eine knallgelbe Plastikkrippe mit lauter Minionfiguren.

Maria und Josef sahen lustig aus und die Tiere waren ebenfalls aus Minions...(Ihr wißt schon, die Innenleben der Überraschungseier lassen sich ja ganz einfach zu Minions verbauen! Probiert es aus!) Er mußte laut lachen und seine Laune wurde besser. Was soll ́s, man muß aus allen Festen das Beste machen...
...besinnliche Vorweihnachtszeit wünschen Euch allen
die Ruhrstadtkinder
p.s. Weil die Reichshofgrundschüler in unserem Schaufenster zu Gast sind  - mit genau: einer Minionkrippe - haben wir eine Geschichte geschrieben. Liebe Grüße nach Westhofen

 

Dosenpoesie
Wir haben ja noch kein Buch fertig - da haben wir uns etwas anderes überlegt ... ein paar Minitextchen haben wir eingedost ... mit einer alten Dosenmaschine und in nigelnagelneuen Dosen aus einer Kölner Dosenfabrik strahlend verpackt. 

... hier also etwas DOSENPOESIE ... zum Mitmachen....

MONSTERFEST-FROHES FEST
Setzt euch gemütlich hin, denn ich will Euch etwas erzählen...
es war ein Sonntag in Schwerte. Ein Dezembertag vor Weihnachten. Etwas nieseiig und auch ein wenig kalt, ich trug meine neue Jacke. Ich ging durch die Straßen der Schwerter Altstadt und überlegte ob der Weihnachtsmann wohl meinen Brief mit dem langen Wunschzettel schon bekommen hatte. Plötzlich sah ich ein kleines Büschelchen Haare hinter einer Ecke. Es leuchtete - stellt Euch das vor - BLAU! Ich lugte um die Ecken wo das Büschelchen gerade verschwand. Ich sah gerade noch eine kleine Truppe Mini-Monster mit Weihnachtsmützen auf den strubbeligen Köpfen hinter einer Häuserecke verschwinden. Ich hatte entdeckt das jedes der Monster einen Sack auf dem Rücken trug wo ganz bestimmt Geschenke drin waren. Sollten das skandinavische Weihnachtswichtel sein? An Weihnachten sah ich sie wieder - dieses Mal mit dem Weihnachtsmann! Konnte denn sowas sein - war das eine Kostümparty? Wir leben in komischen Zeiten...
Als RUHRSTADTKIND hat man ein eigenes Auge was Geschichten angeht! Wie sieht DEINE aus?


Liebesbrief an den Kakao,
ich mag DICH einfach sehr. Besonders wenn DU mit Sahne serviert wirst. Du tröstest mich - wenn ich traurig bin und wenn ich DICH in meiner Lieblingstasse trinke vergesse ich alles um mich herum. Cremig und schokoladig ist soo gut...aber ein Frage stelle ich mir immer mal wieder: Ist DEINE Mama eine Kakaobohne oder die Milch?
Dein Fan Ruhrstadtkind...(auch wenn wir meistens Tee trinken!)

Ruhrstadtkinder Texte
Verlorene Zähne, Asylanten, Kriminalgeschichten, Western oder Omas – die Ruhrstadtkinder haben ganz viele Themen und immer mal wieder eine andere Tonlage – unerwartet ist es aber immer. Das gehört schließlich zu den Regeln und macht viel mehr Spaß. Langeweile braucht ja kein Mensch. 

Andrea Reinecke und Tobias Bäcker

16.1.2018

 

„Wir kennen die besten Ecken finden die besten Geschichten.
Neue Legenden braucht die Stadt.“
Ruhrstadtkinder