Unser Biotop

Naturschutz

Normalerweise kümmert sich ein Kulturzentrum um Kultur. Das ist weder überraschend noch weiter erwähnenswert. Überraschend ist eher, wenn sich ein Kulturzentrum auch um die Natur kümmert und ihren Anspruch auf Gestaltung, Erhalt und Förderung ebenso nachhaltig durchsetzt wie sie das für ihr Kerngeschäft gewohnt ist – und das obwohl die Natur, das sei hinzugefügt, den künstlerischen Gestaltungswillen der Verantwortlichen bisweilen stört.

Aber der Reihe nach:
Im Jahr 2005 fiel der Startschuss für die zweite Etappe des Rohrmeisterei-Projekts. Nachdem das Gebäude saniert und in Funktion etabliert war, ging es nun darum, die Freifläche zwischen Rohrmeisterei und Ruhr zu erschließen und als Bürgerpark künstlerisch hochwertig zu gestalten. Zahlreiche Sachkundige begingen die zum Gestrüpp neigende Brachfläche, man initiierte einen Gestaltungswettbewerb und … der Rest ist Geschichte und als Bürgerpark seit Juni 2010 zu bewundern.

Doch plötzlich stellte sich die Natur quer: Eine kleine Pfütze wollte einfach nicht versickern, breitete sich spontan aus und plötzlich hörte man die Frösche quaken. Heute ist aus der Pfütze ein stattlicher Teich geworden, der hunderten von seltenen Pflanzen- und Tierarten eine Heimat bietet und zum Anschauungsunterricht über die Stabilität von chaotisch-komplexen Systemen einlädt (und Kindergarten-Gruppen zum „Frösche gucken“).

Natur wird Teil der Kultur
Heute wird das Biotop durch eine gepflasterte Einfassung geschützt und erhält gleichzeitig Entwicklungsraum. Schräg durch den Naturbereich führt ein aufgeständerter Steg aus heimischen Hölzern, der die Veranstaltungsfläche mit der Hangkante des Plateaus verbindet. An die umfasste Fläche grenzt eine Wildwiese. Andere Naturbereiche wurden vorsichtig gerodet, mit Ersatzpflanzungen bestückt und mit Hecken oder Koppelzäunen geschützt.

Die ausgeklügelte Balance zwischen Gestaltung und Naturwüchsigkeit erfüllt die Verantwortlichen natürlich mit Stolz. Sympathisch ist ihnen darüber hinaus das Folgende: Eine Pfütze, die mit so viel Eigensinn und Ausdauer ihr Recht auf Durchsetzung behauptet, erinnert an die Anfänge des Rohrmeisterei-Projekts selbst. Vor rund zehn Jahren war es die Bürgerstiftung Rohrmeisterei, die einfach keine Ruhe geben wollte. Und es braucht nicht viel Phantasie sich vorzustellen, wie viele Unkenrufe den Auf- und Ausbau der Rohrmeisterei wie sie heute erscheint, begleiteten. Insofern umhegt die Rohrmeisterei mit dem Biotop nicht nur ihre Froschfreunde, sondern auch die Idee ihrer eigenen Herkunft. Und die Naturschützer freut’s allemal.