Gebäude &Geschichte

Herzlich willkommen hier in der Rohrmeisterei in Schwerte. Wie Sie schon unschwer erkannt haben werden, sind Sie heute nicht einer normalen Gastronomie eingekehrt. Sondern Sie befinden sich in dem Gebäude einer alten denkmalgeschützten Pumpstation

1890

Das Gebäude wurde 1890 hier in den Ruhrwiesen auf Schwerter Stadtgebiet von den Dortmunder Stadtwerken als Pumpstation, die der Wassergewinnung diente, errichtet.  Es besitzt ein 12m hohes Tonnendach und eine charakteristische Backsteinfassade. 200 m südlich fließt die Ruhr, der Fluss, dessen Wasser seinerzeit in großen Absetzbecken, dort wo sich jetzt Terrasse und Landschaftspark befinden, gesammelt, gereinigt und gefiltert wurde. Unterirdisch wurde das Trinkwasser ins Gebäude geleitet und von hier aus mit Pumpenmaschinen Richtung Norden, Richtung Dortmund gepumpt. Die Pumpstation Schwerte diente also der Trinkwasserversorgung des östlichen Ruhrgebiets. Der erste Gebäudeteil wurde 1890 errichtet, 1896 wurde dieser Gebäudeteil, in dem Sie sich gerade befinden, angebaut. Die Innenwand der Gastronomie ist somit eine ehemalige Außenfassade.

1920

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden modernere Pumpstation ruhrauf- und abwärts in Hengsen und Westhofen in Betrieb genommen. Die Pumpstation Schwerte wurde nicht mehr benötigt. So erfuhr die Halle ihre erste Umnutzung. Fortan betrieben die Dortmunder Stadtwerke von hier aus die Pflege, Wartung und Instandhaltung ihres Rohrnetzsystems. Das bedeutet: In der Halle wurden Rohre repariert. Und daher stammt im Volksmund die Bezeichnung „Rohrmeisterei“, die die Bürger dem Gebäude gaben und die sich seitdem einbürgerte. „Rohrmeisterei“ ist also nicht die geschichtlich korrekte Bezeichnung – das wäre Pumpstation – sondern eine Wortschöpfung, die beschrieb, was später hier stattfand. Und daher ist diese Halle weltweit die einzige Rohrmeisterei, was für uns heute von Vorteil ist. Wenn Sie den Begriff im Internet in google eingeben landen Sie sofort und immer hier in Schwerte.In den Folgejahrzehnten wurde das Gebäude immer wieder neu genutzt, als Reithalle, als Lagerhalle, als Garage usw. Nach dem Krieg wurden die großen Wasserbecken mit Bauschutt verfüllt.

1976

übergaben die Dortmunder Stadtwerke das Gebäude an die Stadt Schwerte. Damit endete die industrielle Nutzung des Gebäudes. Die Stadt stand damit vor der Aufgabe, das Gebäude und Gelände einer neuen Nutzung zuzuführen. In den 70er, 80er, 90er Jahren wurden viele Konzepte für entwickelt, verworfen und letztendlich nicht verwirklicht. Im Gespräch war schon früh auch eine Nutzung als Kulturzentrum, dann wurde die Halle an einen Investor verkauft, der sie gewerblich nutzen wollte, dann wurde sie für mehr Geld zurück gekauft und unter Denkmalschutz gestellt, dann gab es Bestrebungen sie abzureißen und das ganze Ruhrtal mit dichter Wohnbebauung zuzubauen, was eine Bürgerinitiative verhinderte. In all den Jahren stand das Gebäude meist leer, wurde nur sporadisch als Garage genutzt und verfiel zur Ruine.

1999

Ende der 90er Jahre regnete es rein, die Fenster waren offen, der Boden bestand aus Schotter und Geröll. In diesem Zustand übernahm dann eine Bürgerinitiative das Gebäude, bestehend aus dem Kunstverein und dem Theaterverein der Stadt, um es aus eigener Kraft neu zu beleben und für Kultur nutzbar zu machen. Dies musste aber ohne finanzielle Belastungen für die Stadt geschehen, denn die Stadt war inzwischen eine Haushaltssicherungsgemeinde, die sich neue freiwillige Aufgaben im Bereich Kultur nicht mehr leisten konnte und durfte. Ausgestattet mit einem kurzfristigen Mietvertrag und der Unterstützung des Bürgermeisters, beäugt von einem Stadtrat, dessen große Fraktionen das Gebäude am liebsten abgerissen hätten, begleitet von Öffentlichkeit und vielen Unterstützern wurde die Ruine sofort bespielt: mit Konzerten, Theater, Ausstellungen, auch gastronomischen Events. Getreu dem Motto: Erstmal rein, Strukturen kommen später. Und gerade die Improvisation, der Zauber des Anfangs, der WC-Container auf dem Parkplatz, und staubige Schuhe in Schotter Geröll beim Klassikkonzert, sorgten für Begeisterung und Verbündete.

2001

wurde aus der Initiative die gemeinnützige Bürgerstiftung Rohrmeisterei, Aus der kurzfristigen Vermietung ein langfristiger Erbbauvertrag, aus der Ablehnung der Politik eine einstimmige Zustimmung im Rat, ein ehrenamtliches Architektenteam entwickelte die Umbaukonzeption, und schließlich wurde das Gebäude bis 2003 umgebaut – ohne Kosten für die Stadt, mit einer einmaligen Landesförderung und vielen Spenden. Der Umbau kostete knapp 5 Mio €. Dabei wurde bewusst möglichst viel vom alten Gebäudecharakter erhalten, dem man die wechselhafte Geschichte und den langen Leerstand ansehen konnte. Neue Materialien bilden einen Kontrast zur alten Gebäudesubstanz. Zudem wurde auf die multifunktionalen Nutzungsmöglichkeiten aller Räumlichkeiten geachtet.

Heute

besteht das Gebäude aus drei Hallenbereichen. Hier die Gastronomie mit dem Feinschmecker-Restaurant im Glaskasten und dem offenen Bistro Unterm Kran, der Terrasse, der Wein-Lounge und der neuen Goldküche. Nebenan die Halle 2. Dort können Sie einen baulichen Kontrast zwischen der alten Gebäudehülle und neuen Einbauten aus Stahl, Glas, Sichtbeton sehen. Die Halle 2 ist Foyer, wird aber auch für kleinere Veranstaltungen genutzt und hat im Obergeschoss Tagungsräume. Schließlich am anderen Gebäudeende die Halle 3, der große Veranstaltungssaal mit Bühne, Veranstaltungstechnik und einer Kapazität für 650 Personen. Seit dem Sommer dieses Jahr wird in unserem Veranstaltungssaal eine neue Empore gebaut, die Anfang nächsten Jahres fertig gestellt sein soll. Durch die neue Empore wird die Kapazität um 150 auf 800 Personen erhöht. Die Empore kann durch eine Treppe vom Saal aus sowie durch einen Wanddurchbruch im Obergeschoss vom benachbarten Salon aus erreicht werden. Die Stahlträgerkonstruktion erlaubt einen säulenfreien Einbau mit guter Blickperspektive auf die Bühne. Die Empore kann mit ansteigender Reihenbestuhlung möbliert werden, aber auch mit Plätzen an Tischen. Schon 2001 war im damaligen Umbaukonzept eine kleine Galerie vorgesehen, die aber nicht realisiert wurde. Der Bau der Empore vollzieht sich in mehreren Einzelschritten, der reguläre Veranstaltungsbetrieb wird durch die Baumaßnahme nicht beeinträchtigt.

Seit 2003 läuft der Betrieb – ohne Subventionen, kostendeckend, aus eigener Kraft. Mit rund 200 öffentlichen, kulturellen Veranstaltungen jährlich. Die Bürgerstiftung führt eigene kulturelle Projekte durch, vor allem mit und für Jugendliche. Und sie vergibt die Säle kostenfrei, also ohne Miete, an andere gemeinnützig-kulturelle Veranstalter aus Schwerte, die hier Theater, Konzerte, Events durchführen.

2007

wurde eine ehemalige Turnhalle in der Nachbarschaft erworben und saniert, die seitdem Schwertes freie Theaterbühne beherbergt.

2015

wurde die neue Goldküche eröffnet, die Baukosten hierfür betrugen rund 1 mio EUR.

Landschaftspark

Der Landschaftspark wurde in den Jahren 2009 und 2010 neu gestaltet und im Juni 2010 offiziell eingeweiht. Die Umrandungen, die Sie hier sehen, sind den alten Wasserbecken, die der Trinkwassergewinnung dienten, nachgebildet. Zuvor war das Gelände hinter der Rohrmeisterei eine zugemüllte Brache, ein mit Altlasten verunreinigter, auf Grund von Wildwuchs schwer begehbarer „Hinterhof“, der den Weg und die Sicht zur Ruhr versperrte. Der Landschaftspark verläuft von der Rohrmeisterei zur Ruhr bevor er in vier „Ruhr-Balkonen“ ausläuft, die über die Flächenkante hinweg ins Ruhrtal ragen. Durch den Park wurde jede Menge Platz geschaffen. Platz für Kulturelles und für Kunstwerke, auf die ich gleich noch eingehen werde. Platz für weltliche, kommerzielle Veranstaltungen, die hier in besonderer Weise zur Geltung kommen. Platz für die Menschen – man kann nur ahnen, wie viele der rund 100.000 Radfahrer, die jährlich den Ruhrtalradweg benutzen nun über unseren Landschaftspark den Weg in die Stadt finden. Und sogar Platz für Natur. Für Frösche im umhegten Biotop, dessen Artenvielfalt Kindergärten zum Kurzausflug lockt und Naturschützer entzückt.

Wie gelingt der Betrieb

von Kultur- und Gastronomiezentrum sowie des Landschaftsparkes ohne Zuschüsse, wo doch in anderen Städten Theater und Kulturzentren oft mehrere 100.000 Euro jährlich kosten?

Antwort: Durch Genuss! Anders gesagt: Die Gastronomie ist das wirtschaftliche Standbein der Bürgerstiftung. Nicht nur der a la carte-Bereich, in dem Sie sich befinden. Sondern bei Veranstaltungen nebenan übernimmt unsere Gastronomie auch das Catering. Nicht nur Getränkeverkauf in der Theaterpause, sondern auch Hochzeiten, Bankette, Firmenevents, Tagungen und Kongresse finden hier statt. So ergibt sich, zusammen mit der Kultur, ein sehr dichter Belegungsplan mit knapp 500 Terminen  und an die 200.000 Menschen jährlich, die die Rohrmeisterei besuchen. Ein richtiges Unternehmen ist entstanden, mit gemeinnütziger Ausrichtung, mit gut 3 Mio EUR Jahresumsatz und rund 50 in Vollzeitkräften, Köche, Kellner, Techniker, Veranstaltungsplaner.

Die Gastronomie macht also Überschuss und finanziert so Kultur – mit rund 200.000 EUR jährlich.

Jeder Gast, der bei uns einkehrt, kann also doppelt genießen: Leckere Speisen und Getränke und dass er damit gemeinnützige Projekte unterstützt.
Und so passt auch Ihr Besuch in unser Motto: Gutes Erleben. Gutes Tun.